Veröffentlicht am: 01.03.2018
Autor: Antje Wäschle Foto: Marnie Wäschle

Die Magie der Traumfänger

Traumfänger fand ich schon immer faszinierend. Durch ein Foto wurde ich wieder darauf aufmerksam. Diesmal wollte ich genauer wissen, woher eigentlich die Idee für dieses wunderschöne Kunstwerk kam.

Es gibt alte Überlieferungen, was ein Traumfänger symbolisiert. Ich fand diese Erzählungen so spannend, magisch und wunderschön, dass ich daraus eine Geschichte zaubern wollte. Es geht um Frieden, um Motivation, um das Gute im Menschen und um unsere Kinder. Ich hoffe, die Geschichte gefällt Euch. Viel Spaß beim Lesen.



Vor langer, langer Zeit lebte auf einer kleinen Insel ein Volk, das sich "Lakota" nannte. Diese führten ein friedvolles Leben. Die Kinder waren der Mittelpunkt in dieser Gemeinschaft. Sie wurden respektvoll, voller Liebe und ohne Gewalt großgezogen. Und so gingen auch die Erwachsenen miteinander um, da auch ihnen dies gelehrt wurde. Es musste auch niemand hungern. Das, was auf der Insel angebaut wurde, reichte für alle und wurde gerecht verteilt. Geld existierte nicht. Jeder half jedem und so waren die Lakota eine Ausnahme auf dieser Erde. Der liebevolle Umgang untereinander war einzigartig.

Doch eines Tages kam ein Sturm auf. Das war nichts außergewöhnliches auf der Insel. Dieser wütete jedoch sehr heftig, mit einer stärkeren Kraft als je zuvor. Alle Häuser und auch die gesamte Ernte der Lakot wurden zerstört.

Die Bewohner hatten nichts mehr. Trotzdem waren sie sehr froh darüber, dass kein Mensch zu schaden kam. Wie durch ein Wunder konnten sich alle Bewohner noch rechtzeitig in einer Höhle auf einem Berg in der Mitte der Insel retten.

Mühsam begannen alle, ihre Häuser wieder aufzubauen. Auch die Felder wurden neu bestellt. Lange Zeit herrschte Hunger, doch was noch aus alten Vorräten vorhanden war, wurde gerecht verteilt. Jeder wusste, mit der neuen Ernte würde wieder genug da sein, um alle satt zu bekommen.

Der Sturm brachte nicht nur Verwüstung, sondern auch eine bedrohliche Macht, die seither über der Insel schwebte. Die Macht der Angst. Niemand konnte sie sich erklären.

Durch dieses schreckliche Ereignis viel es besonders den Kinderschwer, nachts zu schlafen. Sie hatten Angst, der Sturm würde zurückkommen. Jede Nacht herschte Unruhe in den erst einmal notdürftig neu errichteten Häusern. Die Erwachsenen waren am Ende ihrer Kräfte, da sie viel arbeiteten, um alles wieder aufzubauen. Zusätzlich waren nun die Nächte sehr anstrengend, da die Kinder  sich im Schlaf wälzten, weinten und schwer zur Ruhe fanden. Albträume verfolgten sie. Im Dorf veränderte sich das friedvolle Leben. Alle versuchten, mit der Situation klarzukommen, doch manchen gelang dies nicht und der Frieden war gefährdet.

Eine Junge verarbeitete das Erlebte besonders schwer. Er schrie viel in der Nacht, wachte weinend auf und hatte Abends beonders große Angst, schlafen zu gehen. Obwohl die Kinder im Bett der Eltern lagen, fanden sie alle keine Ruhe.

Dieser Junge liebte es, Muscheln zu sammeln. Dabei vergaß er die Albträume und die Angst vor einem neuen Sturm. Als er gedankenverloren im Sand wühlte, fand er etwas ganz Besonderes und Wunderschönes. Eilig lief er zurück ins Dorf um es allen zu zeigen. „Schaut her, schaut her,“ rief er freudig schon von weitem. Die Menschen versammelten sich neugierig um ihn.

Er hielt einen Traumfänger hoch. Interessiert wurde dieser herumgereicht. „Was ist das?“ fragte der Junge neugierig in die Runde. Doch niemand konnte ihm eine Antwort darauf geben. „Wir fragen unseren Dorfältesten,“  rief jemand aus der Menge. Da kam dieser, ein weiser alter Mann, heran und auch er nahm das Kunstwerk in seine Hände.

„Mein Junge, das ist ein Traumfänger." Nachdenklich betrachte er die filigrane Arbeit. "Dass ich nicht gleich auf diese Idee gekommen bin. Damit hast Du die Seelen der Kinder und unseren Frieden gerettet.“, rief er erfreut.

Verständnislos schaute nicht nur der kleine Junge auf den alten Mann. Auch die anderen konnten seine Worte nicht einordnen. Niemand wusste, was ein Traumfänger sein sollte. „Was ist ein Traumfänger?“ fragte nun ein kleines Mädchen. Der alte Mann setzte sich auf den Boden und winkte alle Kinder zu sich. Sie setzten sich zu ihm und bildeten einen Kreis. Die Erwachsenen standen dahinter und  warteten gespannt, was der alte weise Mann zu sagen hatte.

„Wenn Du Dir einen Traumfänger über deinen Schlafplatz hängst, werden die bösen Träume im Netz gefangen und am nächsten Tag vom Sonnenlicht aufgelöst. Nur die guten Träume schweben durch das Netz zum Schlafenden herunter.“ 

Das Netz symbolisiert auch die Pfade, die für einen Menschen möglich sind zu gehen. Jeder Mensch entscheidet sich selbst für seine Wege. Sind die Absichten des Einzelnen gut, so führen sie ihn auf den rechten Weg. Bei bösen Absichten jedoch führen sie den Mensch auf den unrechten Weg. Das Netz soll dazu dienen, den Menschen zu helfen, viele Pfade zu finden und somit viele Möglichkeiten, seinen guten Träumen, Ideen und Visionen zu folgen.

„Für was ist denn die schöne Feder in der Mitte?“, fragte ein anderes Kind. „Die Feder ist ein Symbol für die Luft, die ihr atmet. Ohne diese könnt ihr nicht leben. Und immer wenn ein guter Traum zu Euch kommt, bewegt sie sich, weil er durch das Netz an der Feder entlang wie ein Hauch des Windes zum Schlafenden fliegt.“

Alle waren still, als er das erzählte. Etwas Magisches lag in der Luft. Man konnte das Meeresrauschen hören und das Kreischen der Möwen.

„Und der Ring, was bedeutet der?“ Die Kinder waren sehr neugierig und wollten nun wirklich alles wissen.

„Der Ring soll den Kreislauf des Lebens symbolisieren. Und damit die tägliche Reise von Sonne und Mond über dem Himmel. In der Natur kommt diese Form sehr oft vor, sie bildet ein harmonisches Ganzes und soll das Gute anziehen.“

„Und die Perlen. Da sind auch wunderschöne Perlen.“ Ein kleines Mädchen war ganz aufgeregt. Die Perlen hatten es ihr besonders angetan. Auch darauf wusste der alte, weise Mann eine Antwort: „Die Perlen sollen die schlechten Träume verleiten, mit ihnen zu spielen. Dadurch werden sie abgelenkt, denn sie sollen dabei Zeit und Raum vergessen. Deshalb wird die schlafende Person dann auch nicht mit einem schlechten Traum belästigt. Dieser wird quasie gefangen im Spiel und vergisst somit seine bösen Absichten.

Die Dorfbewohner waren von den Erzählungen des weisen alten Mannes in den Bann gezogen und hellauf begeistert. Nun wollten natürlich alle für ihre Kinder so einen Traumfänger haben. Eilig wurden aus Weidenzweigen und Pflanzenfasern , aus Holz und Federn viele Traumfänger gebastelt.

Als alle Kinder der Lakota einen Traumfänger hatten, kehrte tatsächlich wieder Ruhe ein. Die Kinder fanden endlich in einen friedlichen Schlaf zurück. Wie von Zauberhand war das Bedrohliche über der Insel verschwunden.

Und sie brannten in Zukunft für ihre Träume und Visionen. Ihr Ziel, den Frieden zu erhalten, haben sie immer beibehalten. Das erreichten sie, in dem sie weiterhin respektvoll miteinander umgingen und ohne Gewalt untereinander auskamen.

Seit dieser Zeit sammelten die Lakota alle guten Träume, indem sie sie aufschrieben. Dadurch trugen sie auch weiterhin das Positive in die nächsten Generationen weiter.

Als die Insel eines Tages entdeckt und die Geschichte weitererzählt wurde, verbreiteten sich die Traumfänger auf der ganzen Erde.

So besteht die Hoffnung, dass immer mehr  Menschen es schaffen, sich mit guten Absichten ihre Wege zu suchen, um den Pfad der Liebe, des gegenseitigen Respekts und des Friedens zu gehen.


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