Veröffentlicht am: 08.01.2018
Autor: Antje Wäschle

Ein Augenblick wie ein Windhauch, ein Unfall und eine neue Sichtweise auf das Leben

Es geschah an einem kalten Winterabend im Januar. Im Radio spielten sie  „Some People“ von Cliff Richard. Dieser Song wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Jedesmal, wenn er im Radio läuft, denke ich an diesen Augenblick, der alles veränderte. Die Musik laut aufgedreht fuhr ich mit meinem Wagen Richtung Heimat. Gut gelaunt und unbeschwert sang ich mit. In einer Linkskurve war mir plötzlich doch etwas mulmig angesichts der  winterlichen Verhältnisse und ich trat auf die Bremse. Ein fataler Fehler!

Mein Wagen geriet ins Rutschen und in Panik lenkte ich dagegen. Doch ich registierte sehr schnell, dass ich nun keine Kontrolle mehr über das Fahrzeug hatte und über das, was geschah. Ich sah Bäume und Gestrüb auf mich zukommen. Beim ersten Knall hob ich instinktiv die Arme schützend vors Gesicht.  Meine Gedanken fuhren Achterbahn. "Bitte gib mir wenigstens noch 10  Jahre." und "Das kann jetzt noch nicht alles gewesen sein."
Wärend sich der Wagen mehrmals überschlug und wie von Geisterhand keinen einzigen Baum berührte, von denen reichlich sehr nahe an der Wiese standen, lief mein bisheriges Leben innerhalb von Sekunden gedanklich an mir vorbei. Für mich waren es gefühlte endlose Minuten.... Im Nachhinein weiß ich, dass sich der Wagen durch das Gegenlenken komplett drehte und auf der Seite, von der ich gekommen war über den Graben schanzte. Dort standen viele Bäume, doch ich geriet gerade in die Schneise, wo eben keine standen.

Endlich hörte das Krachen des sich überschlagenden Wagens auf. Die Musik hallte weiter durch die Nacht, so als ob nichts geschehen wäre. Nichts wie raus aus diesem Auto, dachte ich mir und schnallte mich los. Unwissend, dass der Wagen auf dem Dach lag, rutschte ich den Sitz herunter und kletterte durch die Frontscheibe, die zerborsten war, ins Freie.
 

Feuerwehrleute, welche mir privat mit ihrem Wagen vor dem Unfall entgegenkamen, hatten schon angehalten, um sich um mich zu kümmern. Ein Mann kam bereits auf mich zu, als ich aus dem Auto geklettert war.  Sie sorgten sich rührend um mich und ich durfte in ihr warmes Auto sitzen, bis nach sehr langer Zeit der Krankenwagen kam, dem es die winterlichen Verhältnisse auch nicht einfach machten.
Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an die unbekannten Helfer, die ich nie wieder getroffen habe. Vielleicht liest das ja mal zufällig einer und erinnert sich an den Unfall am 07. Januar 1990 im "Fuchsloch" bei Schömberg.  
 


Das Ganze war ein Wendepunkt in meinem Leben.

Als ob ein Windstoß versuchte, eine Kerze auszulöschen und es doch nicht schaffte.....

Seitdem bin ich dankbar für jeden Tag, genieße jeden Augenblick und freue mich auf die Zukunft.
Türen gehen immer auf, egal wohin Du gehst.

Das unendliche Vertrauen,  dass alles gut ist, wie es ist, lässt für mich jeden Tag zu etwas ganz besonderem werden.
Alleine meine Gedanken und dieses Erlebnis reichen, die geschenkte Zeit nicht mit Sinnlosem zu verschwenden. 

Es gibt Schutzengel, ich habe sie erlebt und glaube seitdem fest an sie. Es gibt etwas zwischen Himmel und Erde, das alles lenkt, davon bin ich überzeugt. Deshalb habe ich Vertrauen in das, was kommt. Alles hat seinen Sinn.

Vielleicht kann ich euch mit dieser Geschichte etwas mitgeben. Im Angesicht des Todes, habe ich das Leben zu schätzen gelernt. Und das in sehr jungen Jahren. Es war ein Geschenk, dass ich diesen Unfall erleben durfte, auch wenn ich solch ein schockierende Erlebnis niemandem sonst wünsche.

Habt einen schönen Tag   
Alles Liebe
Antje
 

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