Veröffentlicht am: 12.02.2019
Autor: Antje Wäschle

Hüttenzauber

Es ereignete sich an einem eiskalten Wintermorgen. Mia war außer Puste, als sie an der kleinen Hütte im Wald halt machte. Ihr Atem malte  Rauchnebel in die Luft, wärend die aufgehende Sonne sanftes Licht durch die Bäume zauberte. Erschöpft setzte sie sich auf das Bänkchen, welches einladend vor der Hütte stand. Die Sitzfläche fühlte sich kalt an, doch das störte Mia nicht. Ihe Atem wurde ruhiger und ihr Blick gleitete über den schneebedeckten Waldboden hinauf zu den Baumwipfeln. Heute würde es einen sonnigen Tag geben, denn hinter dem Nebel blitzte ein wolkenloser Himmel hervor. 

Krell klingelte ihr Handy und unterbrach die Stille. Mia zog es aus der Jackentasche. "Ja?" Der Anrufer am anderen Ende schien mächtig aufgeregt, denn seine Stimme hallte bis in die Ritzen der Holzbretter, welche die Hütte  zusammenhielten.  "Nein, das werde ich nicht tun!" Mias Aussage klang  bestimmt und entgültig. "Ab heute entscheide ich ganz alleine, was ich möchte, was und wer ich sein will und wohin ich gehe!" Damit legte sie  auf, schaltete das Handy aus und ließ es wieder in ihre Jackentasche verschwinden. Sie lächelte. 

Plötzlich, wie aus dem Nichts, stand ein weißer Fuchs vor ihr. Mia erschrack und war gleichzeitig fasziniert.  "Wow, wo kommst du denn her?", entfuhr es ihr. Der Fuchs setzte sich und schaute sie mit seinen stahlblauen Augen an. Mia konnte sich nicht davon lösen. Es fühlte sich an, als ob er ihr etwas mitteilen wollte. Sein Blick war voller Neugier und Leben. Mia spürte den Drang ihm zu erzählen, was sie bewegte, obwohl sie wusste, dass er sie nicht verstehen konnte. "Weißt Du, dass ich heute eine wichtige Entscheidung getroffen habe? Und das ich mich herrlich damit fühle?" Der Fuchs spitzte die  Ohren. "Ich habe quasie gekündigt", flüsterte sie stolz. "Ich bin frei!"  Sie ließ diesen Satz nachwirken und wurde sich seiner Aussage erst jetzt  wirklich bewusst. 

"Mein Chef dachte doch tatsächlich, er könnte über mich und meine Zeit verfügen wie über sein Eigentum. Aber ich bin ein  Mensch und keine Maschine. Ich habe auch noch ein Privatleben, das ich genießen möchte. Und weißt du was? Ich werde  mir einen Betrieb suchen, bei dem ich das alles in Einklang bringen kann. Bei dem auch meine  Meinung etwas wert ist, es mir gut geht und wo ich dann auch gerne hingehe!"  Immer noch waren diese stahlblauen Augen auf Mia gerichtet. So klar wie dieser Blick waren auch Mias Gedanken. Als würde sie in den Spiegel ihrer eigenen Seele schauen. Dann, unerwartet stand der Fuchs auf und lief davon. Mia rieb sich die Augen, denn die Situation schien im Nachhinein unwirklich. Doch dieses wunderschöne und anmutige Tier hatte Spuren zurückgelassen, also war er echt gewesen.

"Das glaubt mir keiner", murmelte sie vor sich hin. "Doch ich werde wieder kommen", fügte sie hinzu, stand auf und machte sich auf den Heimweg. Von da an war Mia imner wieder mal Gast dieser Hütte. Sie vermisste diesen Fuchs irgendwie, obwohl er ihr nur einmal begegnet ist. Diesen Blick würde sie nie vergessen. Diese Ruhe und diese Kraft, die er ausstrahlte. Doch der Fuchs kam bisher nicht mehr wieder. Das war aber nicht wirklich wichtig. Wichtig war die  Erinnerung an dieses Ereignis, die jeden Tag, an dem sie hier saß, zu etwas kraftvollem und  deshalb zu was ganz besonderem machte.  


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