Veröffentlicht am: 20.04.2018
Autor: Antje Wäschle

Paul und Flocke auf Schatzsuche

Paul wohnte in einem Häuschen auf einer kleinen Insel. Er hatte einen treuen Freund: seine Mischlingshündin Flocke. Niemand kannte Paul ohne Flocke, selbst zur Schule nahm Paul seinen freundlichen Vierbeiner mit. Die Schule auf der Insel war klein und es fehlte an vielen Dingen, doch die Lehrer und die Schüler machten das Beste daraus. Pauls Hund war immer willkommen. Jeden Tag wartete er geduldig vor dem Schulhaus auf Paul und in der Pause auf dem Schulhof war Flocke natürlich der absolute Mittelpunkt. Für die Hündin gab es gefühlt unendlich viele Streicheleinheiten und Leckerlis.

An einem strahlend schönen Dienstag auf dem Weg zur Schule genoss Paul die wärmende Sonne, während Flocke wie immer neben ihm herlief. Als sie in der Schule ankamen, suchte sich Flocke ein schattiges Plätzchen und Paul ging entspannt in den Unterricht. Doch in der Pause gab es plötzlich eine große Unruhe. Flocke war verschwunden. Die Kinder suchten das ganze Schulgelände ab. In jeder Ecke hörte man ein anderes Kind rufen. „Flocke!“ – „Flocke!“ Aber es war vergeblich. Der treue Vierbeiner blieb verschwunden. „Haben Sie vielleicht meinen Hund gesehen?“, fragte Paul besorgt eine Lehrerin, die er im Schulgebäude antraf. Denn auch dort suchten die Kinder natürlich ausgiebig. „Nein, aber Flocke wird bestimmt wieder auftauchen. Jetzt geht es auch bald erst einmal mit dem Unterricht weiter. Du wirst sehen, danach sitzt deine Flocke bestimmt wieder vor der Tür.“ Doch dafür hatte Paul ja nun gar kein Verständnis. Einfach in den Unterricht sitzen, während sein Hund verschollen war? Vielleicht war ihm etwas passiert oder jemand hatte ihn mitgenommen! An Unterricht war nun wirklich nicht mehr zu denken. Anstatt in den Klassenraum zu gehen, schlich sich Paul heimlich aus dem Gebäude, um nach Flocke zu suchen.

Sein Weg führte durch den Wald Richtung Strand. Suchend blickte er sich um, als er plötzlich ein seltsames Geräusch vernahm. Vorsichtig ging er dem nach und entdeckte neben einem Baum, er glaubte es kaum, Flocke! Sichtlich entspannt lag sie dort, so als ob überhaupt nichts Besonderes geschehen wäre. Als Paul freudig näher kam, fiel ihm auf, dass Flocke etwas zwischen den Vorderpfoten bewachte. „Hey, Flocke, geht’s dir gut?“ Paul war begeistert, dass er seinen über alles geliebten Hund so schnell wiedergefunden hatte. „Was hast du denn da?“ Vorsichtig zog Paul Flockes Errungenschaft an sich. „Ein Rucksack? Wo hast du den denn her?“ Neugierig öffnete Paul den Reißverschluss. Der Rucksack schien jedoch leer zu sein. Ob im Innenfach vielleicht etwas zu finden war? Tatsächlich ertastete Paul dort etwas und zog es gespannt heraus. Es war ein zusammengerolltes Stück Papier. Vorsichtig öffnete er die Schnur, die es zusammenhielt, und studierte begeistert die Zeichnung, die darauf zu sehen war. „Wow, das scheint eine Schatzkarte zu sein! Wo hast du nur diesen Rucksack her, Flocke? Ob die echt ist?“ Paul entdeckte auf der Karte den Leuchtturm der Insel und weitere markante Stellen, die er sehr gut kannte. „Komm, Flocke, das will ich genauer wissen." Die Schule war nun ganz vergessen. Paul lief zum Strand hinunter Richtung Leuchtturm. Zwischen zwei Felsen machte er Halt. „Hier muss es irgendwo sein.“ Suchend blickte er sich um.

Plötzlich wurde Flocke unruhig und versuchte Paul wegzuziehen. „Was ist denn los?“ Da entdeckte Paul zwei Männer in der Ferne. Schnell versteckten sich der Junge und sein Hund hinter einem nahen Felsen. Die Männer kamen näher. „Wie kann man nur so dumm sein, einen so wertvollen Rucksack zu vergessen!“, rief der eine ärgerlich. „Was machen wir jetzt? Der Schatz war uns so gut wie sicher. Aber ich habe die Karte nicht im Kopf und wir können ja nicht die ganze Insel umgraben.“ Sein Begleiter war geknickt und blieb stumm. „Wir müssen den Rucksack wiederfinden. Besser gesagt diesen verdammten Köter. So schwer kann das ja nicht sein auf so einer kleinen Insel.“ – „Stimmt“, sagte nun der andere Mann, immer noch sichtlich eingeschüchtert. „Na, dann machen wir uns mal auf die Suche.“ Die beiden verschwanden eilig hinter den Dünen. 

Paul war entsetzt. „Hast du das gehört? Die suchen uns! Wir müssen diesen Schatz vor ihnen finden.“ Er studierte noch einmal akribisch die Karte. „O. k., hier ungefähr müsste es sein.“ Flocke kläffte plötzlich und fing an zu buddeln. „Hier ist es, meinst du?“ Nun buddelten Paul und Flocke um die Wette. Und tatsächlich: Unter dem Sand stießen sie auf ein kleines Kästchen. Eilig gruben sie es vollständig aus. Paul betrachtete es kurz, schob es dann schnell unter seine Jacke und buddelte das Loch wieder zu. „Damit die nicht zu schnell draufkommen, dass wir schon hier waren.“ Er kritzelte noch etwas auf die Karte und steckte sie in den Rucksack zurück, dann verließen sie eilig den Strand. Als sie jedoch durch den Wald zum Dorf zurückliefen, hörte er plötzlich jemanden rufen. „Halt, stopp, ihr zwei!“ Paul drehte sich  um und entdeckte nicht weit entfernt die beiden Männer vom Strand. „Mist! Komm, Flocke!“ Sie rannten, so schnell sie konnten. Dabei ließ Paul den Rucksack fallen. Das würde die beiden bestimmt aufhalten. Und er hatte recht. Die Männer waren nun erst einmal mit der Schatzsuche beschäftigt.

Im Dorf verkroch sich Paul mit Flocke und der Schatzkiste sofort in sein Baumhaus. Behutsam öffnete er das Kästchen und betrachtete erstaunt den Inhalt. Es befanden sich keine Goldmünzen darin. Auch keine Ketten oder andere Schmuckstücke. Nein. Paul grinste über das ganze Gesicht. „Dafür haben wir uns aber mächtig ins Zeug gelegt, was, Flocke?“ Stolz hielt er eine Muschel in die Höhe. Eine von vielen, denn in dem Kästchen befanden sich zahlreiche wunderschöne Muscheln. Jede war auf ihre Art ein Kunstwerk, von der Natur einzigartig erschaffen. Paul beschloss, den Schatz der Schule zu schenken. Mit den Muscheln konnten sie dort bestimmt etwas Tolles basteln oder einfach das Schulhaus ein bisschen verschönern.

Am nächsten Tag übergab er das Kästchen stolz seiner Lehrerin, die freudig die Muscheln betrachtete. Als sie versuchte, eine davon zu öffnen, kullerte eine Perle heraus. „Wow, ein Schatz im Schatz!“ Auch die nächste Muschel enthielt eine Perle. Was das zu bedeuten hatte, war Paul sofort klar: Dieser Schatz war eine Menge wert.

Die Lehrerein fragte erstaunt: „Und du bist dir sicher, dass du den Schatz nicht doch lieber behalten möchtest?“ Paul zögerte keinen Moment. „Nein, wir können davon bestimmt unsere Schule ein bischen hübscher machen und auch Material für die Schüler kaufen. So haben wir doch alle was davon, oder? Und vielleicht bekommt meine Flocke ein extraschönes Kuschelplätzchen.“ – „Das ist garantiert.“ Die Lehrerin schmunzelte und schloss das Kästchen vorsichtig.

Die beiden Männer, die Paul und Flocke verfolgt hatten, sah man von da an immer mal wieder am Strand buddeln. Es schien ihnen allerdings keinen großen Spaß zu machen, denn offenbar konnten sie das Gekritzel auf der Karte nicht einordnen. Und irgendwann waren sie für immer verschwunden. Vielleicht versuchten sie ihr Glück auf einer anderen Insel.

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