Veröffentlicht am: 06.03.2018
Autor: Antje Wäschle Foto: M. Wäschle

Türen im Leben

Der Regen prasselte an das Fenster. Verträumt schaute ich dabei zu, wie  sich die Tropfen einen Weg bahnten. Langsam liefen sie am Glas entlang Richtung Erde. Ich saß gemütlich im Warmen und Trockenem an einem Tisch  in einem Cafe. Die Welt gedanklich kurz angehalten, setzte ich die Tasse  an meine Lippen und trank beiläufig von meinem ´Tee. Nichts konnte mich  in diesem Moment stören. Die Geräusche der anderen Gäste hatte mein  Kopf nahezu ausgeblendet. Dafür klang das Klopfen der Regentropfen wie Musik, wie der Klang einer leisen undefinierbaren Medodie, deren Töne  zufällig aufeinandertrafen. Die Zeit schien still zu stehen.......

Doch plötzlich hörte ich ein Stimme: "Darf ich mich zu Ihnen setzten?" Ich hob meinen Kopf und schaute irritiert in ein freundliches Gesicht. Die Dame schien vom Alter her mitte 60 zu sein. Lachfältchen ummalten ihre Augen und ihren Mund. Ihr Blick strahlte eine faszinierende Lebendigkeit aus. Spontan nahm ich meine Tasche vom einzigen freien Stuhl am Tisch, um ihr Platz zu machen. 

Nachdenklich schweifte ich dabei schon wieder mit meinen Gedanken ab. Was diese Frau wohl alles erlebt hatte in all den Jahren? Ihr musste es gut gegangen sein. Solch eine positive Ausstrahlung erlebte ich selten. Sie bestellte sich einen Kaffee. "Was machen Sie denn hier so alleine?", fragte sie unvermittelt. Ich lachte. "Dasitzen, nachdenken und meinen Tee genießen." "Über was denken Sie denn nach?" Die Frau schien sehr neugierig zu sein. Doch irgendwie gefiehl mir das. Meistens setzten sich irgendwelche Menschen neben mich, die sich nicht trauten, ein Gespräch anzufangen. "Gerade denke ich darüber nach, was Sie wohl so für ein Leben hatten" ,antwortete ich wahrheitsgemäß. Die Damen schaute erstaunt. "So? Und was denken Sie, was ich für ein Leben bisher hatte?" "Wohl ein sehr Schönes", antwortet ich. "Wie kommen Sie darauf?", wollte die Damen nun neugierieg wissen. "Sie strahlen das eben aus" meinte ich überzeugt.

Die Bedienung brachte den Kaffee und die Dame rührte daraufhin gedankenverloren in ihrer Tasse.

Dann schaute sie mich an: "Das Leben kann schöne und schwere Wege für Dich bereithalten, so war es auch bei mir. Wenn eine Tür sich schließt, geht die nächste auf. Du kannst immer wählen, welche Türen Du öffnen möchtest, welche Du lieber geschlossen hältst oder welche Türen Du nur einen Spalt weit öffnest, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt, dich dann aber wieder abwendest, um doch lieber durch eine andere Tür zu gehen. Ich bin durch viele Türen hindurchgegangen, auch weil ich ein sehr neugieriger Mensch bin." Dabei lachte sie. "Aber das Wichtigste, das Wichtigste ist immer noch, wie Du mit dem umgehst, was sich hinter der Tür verbirgt. Du kannst mit Misstrauen, Vorurteilen, Angst und schlecht gelaunt den nächsten Raum betreten, oder voller Neugier, Zuversicht, Liebe und Vertrauen. Das was Du ausstrahlst, wird der Raum zurückstrahlen" 


Ich klebte an ihren Worten und war fasziniert von dem, was sie sagte.  

Als ich mich wenig später verabschiedete, lies ich unser Gespräch noch einmal Revue passieren. Was für ein Leben die alte Dame wirklich hatte, habe ich nie erfahren.

Trotzdem hatte sie so wenig und doch so viel von sich preisgegeben. 





 

 

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